INDIGO TALKS-TILDE GRYNNERUP

Manchmal ist es Liebe auf den ersten Blick. Als ich beim Scrollen durch Instagram vor einiger Zeit auf die Kopenhagener Künstlerin Tilde Grynnerup gestoßen bin, war ich sofort fasziniert und angezogen von ihrer Ästhetik und ihrer Sicht auf die Welt. Sie hat sich sehr vertraut angefühlt. Manchmal kämpfe ich mit den Herausforderungen, die Social Media so mit sich bringt. Aber Gleichgesinnte zu finden und sich mit Ihnen verbinden zu können, ist einfach eine wunderbare Sache. Wir haben angefangen uns zu schreiben und darüber hat sich eine Freundschaft entwickelt. Tilde arbeitet mit unterschiedlichsten Materialien, die meisten davon sind ebenfalls receycelt, und vorallem mit unterschiedlichsten Medien.

Having spent a decade writing songs, and another decade working with fashion, it makes sense to create works of art, combining textile, words and fashion with the inherited craftsmanship skills from my carpenter father.

I choose whichever media expresses my vision the best. Sometimes its wood, sometimes its textile, or even concret. I like to explore. 

Für die Reihe Indigo Talks habe ich mit Tilde über Meditation gesprochen, über Außerirdische und darüber, ob die Menschheit für Monogamie gemacht ist.

 

Tilde, wie hast Du mit Deinen Holzskulpturen angefangen?

Es gab einen verregneten Sommer und nicht viel zu tun. Mein Vater hat ein Sommerhaus mit einem Verschlag für Feuerholz und Holzreste. Er ist ein Schreiner im Ruhestand, der alles an Zubehör hat, was das Herz begehrt und so habe ich einfach angefangen zu bauen.  Es war absolut spontan und es fühlte sich vollkommen natürlich an.

 

 

Siehst Du Dir die Nachrichten an?

Ich schaue mir keine Nachrichten an. Sie nerven mich, machen mich traurig und wütend. Aber ich höre manchmal die Nachrichten, wenn ich am Arbeiten bin. Ich bevorzuge sie in einer Form, die mehr in die Tiefe geht. So dass ich mich hinterher eher erleuchtet als traurig fühle.

 

 

Was sind deine ehrlichen Gedanken über Social Media?

Ich liebe Social Media. Es kann Leute verbinden, und das ist wundervoll, sich zu connecten und Sachen zu teilen. Und ich hasse Socialmedia gleichzeitig. Es kann Dich von Dir selbst entfernen, es lügt und stiehlt Dir deine wertvolle Zeit. So ist es ein fortwährender Balanceakt. Aber wir sind damit immer noch in den Anfängen, also glaube ich, dass wir dabei sind, zu lernen  es gut zu nutzen. Ich glaube vorallem, dass wir darauf achten müssen, was es mit unseren Kindern macht.Die zukünftige Generation muss ein Gefühl des Selbsts behalten, eines inneren Kerns und das ohne Social Media. Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich glaube an das Gute. Wir können sehr weisen Austausch online haben, und ebenso weisen Austausch mit uns selbst und anderen offline.

 

 

 

Vergleichst Du Dich durch social Media mit anderen Künstlern oder Leuten allgemein?

Ich glaube wir vergleichen uns alle miteinander. Es ist ein Weg, zu verstehen, wer wir sind und was unser Platz in der Welt ist. Ich vergleiche mich nicht mit anderen Künstlern auf Social Media, aber mit der Zeit finde ich Gleichgesinnte unter anderen weiblichen Künstlerinnen.

 

 

Was vermisst Du dieser Tage in deinem täglichen Leben?

Geld, haha. Als ich mich entschloss, keinen Kompromiss einzugehen bei dem, was ich vom Leben will: Zeit mit meiner Familie verbringen, mit meinem Sohn und einfach mit dem zu arbeiten, was ich liebe. Dabei scheint Geld das einzige zu sein, was fehlt. Und die Zeit ein wenig langsamer zu drehen. Alles passiert sehr schnell. Ich vermisse es, einfach mal Zeit für nichts Bestimmtes zu haben.

 

 

Mit welchem Teil des Älterwerdens kannst Du gut umgehen und mit welchem nicht?

Bis jetzt macht mir der Verfall nichts aus. Irgendwie finde ich es exotisch und aufregend, Lebenserfahrung und Autorität zusammen zu bringen. Ich war noch nie mutiger und hatte noch nie so wenige Selbstzweifel. Es ist schon fast eine Erleichterung. Ich mag es, älter zu werden, ich bin neugierig, was es bedeutet. Der Scheisspart daran ist, weniger Energie zu haben  als früher. Und zu wissen, dass der Tod näher rückt. Der Tod Deiner Eltern, Deiner Freunde, Dein eigener. Das Ende des Lebens. Ich hasse es, verdammt. Es ist so traurig und das Leben so schön. Ich versuche irgendwie durch meine Kunst drumherhum zu arbeiten.

 

 

Was wolltest Du als Kind werden?

Alles, von Rechstanwältin bis hin zu Sängerin. Meine Mutter hat immer zu mir gesgat: Du denkst zu viel, weil ich wirklich alles analysiert habe. Und ich bin oft über mich selbst gestolpert, aber ich habe Liebeslieder geschrieben und ich glaube, es hat schlussendlich alles in dem zusammengefunden, was ich jetzt mache, dieses ganze Gedankenmachen. Jetzt macht alles Sinn, es ist der gemeinsame Nenner, die Wurzel meiner Projekte.

 

 

Kaufst Du eher online oder in Geschäften?

Ich shoppe nicht oft.

Was glaubst Du, was nach dem Tod passiert?

Ganz ehrlich, ich weiß nicht mal, ob mich das interessiert. Ich bin so darauf fokussiert, was im Jetzt geschieht, daran, am Leben zu sein. Aber ich hoffe natürlich, dass viele wunderbare Sachen passieren. Dass wir alle Menschen wiedersehen, die wir geliebt haben. Ich glaube eigentlich daran, dass genau das passiert! Dass wir alle geliebten Menschen wiedertreffen. Und ich freu mich total darauf!

 

 

Wo könntest Du Dir noch vorstellen zu leben?

In Kalifornien.

Glaubst Du, die Menschheit wird den Planeten zerstören und irgendwie überleben, oder sich selbst komplett vernichten?

Ich weiß es nicht, das ist zu groß, um es zu begreifen.

 

 

Wie willst Du mal begraben werden?

Wie es auch immer am besten ist für die Menschen, die zurückbleiben.

Welches Gericht könntest Du sieben Tage die Woche essen und seiner nicht überdrüssig werden?

Rotwein.

Glaubst Du an Ausseridische?

 Nein, eigentlich nicht. Nicht, dass ich nicht offen dafür wäre, aber ich fühle es einfach nicht.

Glaubst Du, die menschliche Spezies ist für Monogamie gemacht?

Ich weiß nichts über Monogamie. Jeder wird einmal neugierig sein oder in Versuchung geraten, aber grundsätzlich glaube ich, wir brauchen einen Platz, zu dem wir uns zugehörig fühlen, um zu wissen, wer wir sind, wo wir herkommen, wo wir uns sicher fühlen. Monogamie schafft eine natürliche Ordnung, es ist praktisch. Ich glaube ohne sie wäre das Leben ziemlich kompliziert.

 

 

 Was ist dein momentanes Lieblingsoutfit?

Etwas warmes auf jeden Fall. Kopenhagen ist klirrend kalt zu dieser Zeit.

Spielt Meditation eine Rolle in Deinem Leben?

Ja. Meditation wirkt Wunder für Körper und Seele. Es müsste ein Pflichtfach sein in der Schule, im Leben, am Arbeitsplatz. Ich glaube, die Welt wäre ein besserer Ort, wenn alle jeden Tag eine halbe Stunde meditieren würden.

 

private messages in public places

 

 

Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

Gabriele Schor. Feminist Avant-garde. Art of the 1970s, the sampling verbena collection, vienna.

 

 

Der beste Ratschlag, den Du in deinem Leben bekommen hast und von wem.

Ich erinnere mich nicht an einen speziellen Ratschlag, aber ich bin sicher ich bekam ihn von meiner Mutter oder meinem Vater im Laufe der Zeit. Sie sind schon lange geschieden, was zeitweise sehr intensiv war, aber sie sind beide ziemlich weise, schlau und sehr  lustig.

 

 

Welchen Ratschlag würdest Du Dir selbst geben?

Ich rate mir die ganze Zeit schlaues Zeug. Ich ermutige mich, es leicht zu nehmen, sage mir, wir sind sowieso bald weg, also fahr nen Gang runter und entspann Dich. Das scheint mir übrigens immer eine kluge Entscheidung zu sein und ich mache das was ich mir sage für genau 5 Minuten, danach bin ich wieder mitten drin im Panikgame. Ich ermahne mich auch oft, den Fokus etwas mehr auf`s Geldverdienen zu richten,  nur um es auf der Stelle wieder zu vergessen. Ich kann es mir einfach nicht merken.

Der beste Ratschlag, den ich mir geben würde: Hab Geduld. Die Dinge brauchen ihre Zeit.

 

Danke Dir, Tilde <3                                                                       Ihr könnt Tilde hier oder auf Instagram finden

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