INDIGO TALKS-ALEXA WILDING

Es gibt durchaus einiges zu sagen über die wunderbare Alexa Wilding. Sie ist Musikerin, Autorin, Mutter von Zwillingen und vieles mehr. Vor allem aber ist sie eine Frau, die gelernt hat, dem Leben mit Humor und einem wilden und offenem Herzen zu begegnen. Sie hat mit ihrem kleinen Sohn Lou dessen Krebserkrankung durchgemacht und spricht offen darüber. Und eine ihrer Hauptbotschaften ist es, Frauen und Müttern überall auf der Welt Mut zu machen, sich und den eigenen Körper anzunehmen. Es ist wunderschön die Magie zu sehen, die entsteht, wenn diese Öffnung geschieht und welche Kreise das zu ziehen vermag.

Ich habe mit Alexa über Wut gesprochen, darüber was es für sie bedeutet, nachhaltig zu leben und wie wichtig es ist, die eigene Stimme zu finden.

Alexa, welche Superpower hast Du im Laufe der letzten Zeit gewonnen?

Nett zu mir selbst zu sein. Ich lerne gerade, freundlicher mit mir selbst umzugehen, nicht so viel zu erwarten. Ich achte darauf, nett zu den Menschen zu sein, die mich umgeben. Ich frage mich allerdings manchmal, warum es nur so lange gedauert hat, auch zu mir selbst gut zu sein?

 

 

Welche Superpower hast Du durch Dein Muttersein entwickelt?

Geduld. Ich war früher eine sehr ungeduldige Person, nicht unbedingt bei anderen, aber mit mir selbst. Zwillinge zu haben hat mich quasi dazu gezwungen. Die Jungs stellen meine Geduld täglich auf die Probe, also musste ich lernen, tief durchzuatmen und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Manchmal singe ich dann einfach oder wiederhole das Kundalini Yoga Mantra “Sa Ta Na Ma”, während sie mich fast auf die Palme bringen und meine Knöpfe drücken. Aber es funktioniert wirklich!

 

#twinmagic Lou and West

 

Was ist Dein Lieblingsoutfit im New Yorker Winter?

Eine alte Jeans, Clogboots von No. 6 und ein warmes vintage Cape.

 

zwar kein Cape, aber irgendwie auch Winter

 

Was bedeutet es für Dich, nachhaltig zu leben?

Es bedeutet vor allem, mir auf täglicher Basis bewusst zu sein, was ich ins Haus hinein und wieder hinaus bringe. Ich halte inne, bevor ich etwas kaufe und stelle mir die Frage: Brauchen wir das wirklich? Wie lange wird es halten? Ich gebe mir Mühe, Geld zu sparen, um es eher für das schönere, nachhaltigere als für das billigere und fragwürdigere Produkt auszugeben. Auf diese Weise haben alle Objekte in unserem Haus eine gute Energie und auch das, was in unseren Körper kommt. Leider ist der Winter eine etwas karge Zeit dafür, weil der Farmer`s Market geschlossen hat. Auf ihn ist sonst immer Verlass!

 

 

Was ist Dein Lieblingsrezept für den Winter?

Das ist Yogi Bhajan`s grünes Mungbohnen Kitcheri mit Gemüse. Es gibt nichts Besseres als warmes Mischmasch: Reis, Mungbohnen, Karotten und Erbsen, Ingwer, Ghee und Gewürze. Ich mache einen großen Topf und esse dann mehrere Tage daraus.

Was ist das Geheimnis Deiner tollen Haut?

Ich benutze nur organische Produkte und manchmal mische ich mir auch meine eigene Kosmetik. Ich bin seit vielen Jahren Dr. Hauschka Anhängerin. Und ich liebe es, nach Rezepten aus dem Buch von Dr. Pratima Raichur’s: Absolute Beauty meine eigenen Sachen anzurühren. Meine Freundin Jessa Blades @bladesnaturalbeauty hat außerdem einen wunderbaren Onlineshop für besondere Hautpflegeprodukte.

 

picture by Arden Wray

 

Letzter Vintage Fund?

Ein einfacher, beigefarbener Kaschmirpullover mit Stehkragen. Ich habe ihn auf einem Kirchenflohmarkt entdeckt (wahrscheinlich hat er mal einer kleinen feinen alten Dame gehört) und er hält mich warm und chic.

Was glaubst Du: Wird es einen Bewusstseinssprung geben, oder wird sich die Menschheit selbst zerstören?

Ich bin Optimistin, also glaube ich an eine Erhöhung des Bewusstseins. Wir sehen im Moment deutlich die dunkle Seite der Menschheit. Ich muss immer an den Leonard Cohen Song “Anthem” denken.

“There are cracks in everything / that’s how the light gets in.”

Ich hoffe, dass es so viele Risse gibt, dass das Licht überall durchbrechen kann und uns mit einem Neuanfang blendet.

 

 

Wie gehst Du damit um, wenn Du solche Gedanken hast?

Ich gehe in die Stille. Indianerstyle, auf dem Flokati Teppich im Zimmer meiner Kinder, während sie schlafen. Ich liebe es, mich nachts in ihre Energie einzuklinken und mich daran zu erinnern, dass ich ihre Sonne sein will.

 

 

Wo könntest Du Dir noch vorstellen zu leben?

Ich habe in letzter Zeit immer deutlicher den Ruf der Wüste gehört. Meine liebe Freundin, die Malerin Caris Reid ist kürzlich nach Joshua Tree gezogen und ich will sie unbedingt besuchen. Ich würde gerne eines Tages nach New Mexico oder Arizona ziehen und dort wie Georgia O’Keefe leben.

 

Georgia O`Keefe

 

 

Was unternimmst Du, um gut mit Dir selbst umzugehen?

Ich bade jeden Abend, ohne dieses Ritual geht es nicht. Ich gebe Salze, Kokosöl und andere Öle hinzu, auf die ich Lust habe. Ich zünde eine Kerze an und denke über den Tag nach. Ich versuche loszulassen, was mich an dem Tag wütend gemacht hat und mache Pläne für den nächsten Tag. Und ich achte darauf, dass ich ausreichend Schlaf bekomme. Ich achte sehr auf meine Energie, seit ich Mutter geworden bin. Normalerweise schlafe ich nicht durch (einer der Jungs wacht immer auf), also versuche ich, so früh wie möglich ins Bett zu gehen und so viel Ruhe zu bekommen, wie möglich. Und zu guter Letzt: Ich rede viel mit meinen Freunden, Leuten, die ähnlich gestrickt sind wie ich und ich habe eine super Therapeutin! Die Tatsache, meinen Gedanken und Ängsten Raum geben zu können, hilft mir sehr dabei, sie loszulassen. Es geht mir binnen Minuten besser.

 

 Welches Buch hast Du zuletzt gelesen?

Rebecca Solnit’s The Faraway Nearby. Es wurde mir von einer Mutter geschickt, die ich nur über Instagram kenne und die selbst eine Schriftstellerin ist und ebenso ihren Sohn durch eine Krebserkrankung begleitet hat. Ich habe es geliebt!

 

 

Was von dem, was Du als Kind nicht gelernt hast, würdest Du Dir heute für Deine Söhne wünschen?

Glücklicherweise hatte ich sehr unterstützende Eltern, die mich immer zu allem ermutigt haben, an dem ich Interesse gezeigt habe. Mein Vater hat immer zu mir gesagt: Finde Deine eigene Stimme und ich glaube, das ist bisher meine Lebensaufgabe gewesen. Ich hoffe, dass ich an meine Jungs weitergeben kann, wie wichtig es ist, eine Stimme zu haben: Zu wissen, dass nur man selbst diese bestimmte Stimme hat und dass sie wichtig ist und dass nur du dieses Eine zu sagen hast, und diesen speziellen Blick auf die Welt. Ich hätte mir aber gewünscht, das Zuhören gelernt zu haben. Weil das Ausdrücken für mich einfach war, musste ich daran arbeiten, jenen zuzuhören, die es schwerer hatten, den Zugang zu ihrer Stimme zu finden. Oder die einfach nicht gehört wurden. Mutter zu sein hat mich gelehrt, aufmerksamer denen gegenüber zu sein, die nicht so den Zugang zu ihrem Ausdruck haben und für die es daher schwerer ist, ihre Träume zu verwirklichen.

 

Wie gehst Du mit Wut um?

Ich habe eine komplizierte Beziehung zu Wut. Ich habe immer eine verspätete Reaktion, wenn mich etwas oder jemand wütend macht. So ungefähr, dass ich es erst drei Tage später realisiere und dann nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Ich versuche, den Ärger umzuleiten und ihn dann durch mein Schreiben oder meine Musik zu transformieren. Weil meine Sohn eine schwere Krebserkrankung durchlitten hat, gibt es Tage, an denen ich sehr wütend bin, dass er das durchmachen musste und dass ich mich nun immer um ihn sorgen werde. Aber an besseren Tagen gelingt es mir, den Ärger in Mitgefühl zu verwandeln, für alle anderen auf der Welt, die dieses Gefühl auch haben.

 

 

 Was war der beste Ratschlag, den Du im Leben bekommen hast und von wem?

Meine Mentorin war die ältere Marcia Tucker, feministische Kuratorin, Mutter und Buddhistin, die das New Museum in Lower Manhattan gegründet hat. Sie war eine Freundin der Familie und sie sagte den bekannten Spruch:

Handle jetzt und denke später, dann hast Du wenigstens etwas, worüber du nachdenken kannst.

Nun hat mich dieser Ratschlag in ganz wunderbare Schwierigkeiten gebracht. Aber die Energie dahinter ist: Hab keine Angst, mach es einfach! Aus diesem Grund setze ich bei neuen Projekten einfach meine Augenklappe auf und fange an.

Hast Du immer schon gesungen, oder hast Du Deine Stimme erst später entdeckt?

Ich habe schon immer gesungen. Meine Großeltern waren Opernsänger und ich wuchs in einem Haushalt mit Musik auf. Dad liebt es zu singen und wir sangen mehrstimmig im Auto zu Sergent Pepper von den Beatles oder Neil Young. Ich habe keine eigenen Songs geschrieben bis ich ein Teenager war und dann wurde es zu meinem Umgang mit der Welt. Es ist meine Bewältigungsstragie. Die Leute fragen oft, wie ich mein Album (Wolves 2016) schreiben konnte, während mein Sohn im Krankenhaus lag. Ziemlich einfach: Es war der einzige Weg für mich damit umzugehen, was da gerade vor sich ging. Singen hat eine magische Wirkung. Ich glaube, es ist das Ein-und Ausatmen. Es befreit und heilt die Seele.

 

 

 Schläfst Du mit deinem Handy in einem Raum?

Es ist ein  ständiger Kampf! Ich stelle mein Handy auf Flugmodus, aber im Falle eines Notfalls möchte ich es einfach in der Nähe haben. Da spricht die Mutter aus mir. Ich bin sehr empfindlich, was die Handystrahlung angeht, mein Körper meldet sich, wenn er genug hat und ich es auf die Seite legen soll. Ich kann auch nicht viel Zeit auf Instagram, verbringen, denn die bekommst Du nicht zurück.

 

 

Glaubst Du an Wiedergeburt?

Ja, tue ich. Hauptsächlich in dem Sinne, dass es die Energie ist, die wiederkommt. Nicht, dass ich mal Kleopatra oder die Königin von England war, oder ich in Atlantis gelebt habe( Ist Dir aufgefallen, dass jeder genau das behauptet?). Ich glaube, dass Stücke aus meinen alten Leben mit in dieses Leben gereist sind. Aus diesem Grund kommen einem manchmal Leute, Orte oder bestimmte Dinge so bekannt vor. Wir erinnern uns an das Gefühl.

 

Alexa, her sons and her husband Ian Sullivan

 

 

 Wie willst Du mal sein und wie magst du aussehen, wenn Du alt bist?

Wie Georgia O’Keefe! Oder Louise Bourgeouise.

 

Louise Bourgeois fotografiert von Bruce Weber für eine Kampagne von Helmut Lang

 

 An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Ich schreibe an einem Buch mit Kurzgeschichten über das Muttersein. Meine Erfahrungen als Mama waren bisher ziemlich intensiv. Ich erhoffe mir, dass ich dadurch, in dem ich meine Erfahrungen mit Humor und positiver Sicht auf die Dinge teile, auch anderen Müttern helfen kann.

Es ist so wichtig, in harten Zeiten zu lachen und zu wissen, dass Millionen von Leuten vor dir wahrscheinlich genau das auch gefühlt haben, was Du an diesem Tag durchmachst.

 

Vielen lieben Dank, Alexa <3

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